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Die Energie- und Medienversorgung der Hütte Linz kann man mit den Blutbahnen eines Menschen vergleichen, die Muskeln und Organe mit allen lebensnotwendigen Stoffen versorgen. Nur wenn diese Versorgung gut und reibungslos funktioniert, können auch die Hauptaggregate ihre volle Leistung bringen. Die Kernaufgaben der Unternehmensbereiche für Energie und Technische Medien sind nun die Planung, der Betrieb und die Instandhaltung aller Mediennetze. Oberstes Ziel ist der optimierte Einsatz dieser Medien. Dabei sollen die erforderlichen Mengen zum richtigen Zeitpunkt, in optimaler Qualität und zu günstigen Kosten zur Verfügung stehen. Die Zusammenführungen der Energie- und Medien-Daten der gesamten Hütte Linz sowie ein ausgeklügeltes System des Mediencontrollings mit über 3.000 Messstellen sind die Basis für die Optimierung der Medienkonzepte.

Ein gigantisches System der Energie- und Medienversorgung

Um Versorgungssicherheit durch prompte Störungsbehebung zu gewährleisten, werden sämtliche Medien ständig überwacht. Der Koordinationsaufwand dabei ist beträchtlich, denn das System der Energie- und Medienversorgung der voestalpine Stahl am Standort Linz ist größer, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Zu den Anlagen zählen neben den weit sichtbaren Gasometern auch noch das Kraftwerk, Kläranlagen, Pumpstationen, Erdgasstationen, Kesselanlagen sowie zahlreiche Brunnenanlagen und die gesamte Rohrleitungstechnik. Am gesamten Standort Linz befinden sich rund 17 Kilometer begehbare Kabeltunnel, 180 Kilometer 30 kV-Kabel und 75 Kilometer 6 kV oder Niederspannungsleitungen.

Gas, Wasser, Dampf

Vorw√§rmb√ºhneInsgesamt werden am Standort Linz 18 verschiedene technische Medien aus den Bereichen Gas, Wasser und Dampf verwaltet. Zum Betrieb der Hütte Linz werden jedoch nicht nur große Mengen an Medien zugekauft. Ein wesentlicher Anteil der verbrauchten Medien wird in der voestalpine Stahl selbst produziert und direkt am Standort Linz weiter verwertet. Vor allem die Prozessgase wie Kokerei-, Gicht-, und Tiegelgas liefern einen wichtigen Beitrag zur Energieerzeugung im Kraftwerk der voestalpine Stahl GmbH.

Medium Verbrauch pro Jahr
Strom 1.977.377 MWh
Erdgas 283.000.000 m3
Trinkwasser 137.000 m3
Kühlwasser 526.366.400 m3
Sauerstoff 505.490.681 m3
Stickstoff 183.801.073 m3
Pressluft 313.372.540 m3
Argon 6.379.144 m3
Wasserstoff 2.051.036 m3
  
Medium Produktion pro Jahr
Kokereigas 622.000.000 m3
Gichtgas 6.240.000.000 m3
Tiegelgas 420.000.000 m3
Dampf 2.111.000 t
Heißwasser 17.760 MWh
Warmwasser 7.052 MWh
Fernwärme 161.702 MWh

Gasometer

Die wohl markantesten Hinweise auf das gigantische Energie- und Mediennetz am Standort Linz sind die beiden Gasometer . Entgegen der ersten Vermutung sind beide Gasometer aber kein "Lagerplatz" für Prozessgase, sondern lediglich kleine Puffer, um Schwankungen im Gasnetz ausgleichen zu können. Wenn man die jährlich anfallenden Mengen an Prozessgasen in einem Gasometer lagern wollte, so müsste dieser bei einem Durchmesser von 45 Metern 4.000 Kilometer hoch sein. Für den täglichen Betrieb bedeutet diese Zahl, dass bei normaler Gasproduktion der Kokereigasgasometer nach 3 Stunden und der Gichtgasgasometer bereits nach 8 Minuten gefüllt ist. Außerdem gibt es den Tiegelgasgasometer, der aufgrund eines anderen Prinzipes (Glockengasometer) allerdings wesentlich niedriger ist.

Kennzahl Gichtgasgasometer Kokereigasgasometer Tiegelgasgasometer
Durchmesser 44 m 62 m 76 m
Höhe 75 m 102 m 30 m
Nennvolumen 100.000 m3 250.000 m3 68.400 m3

Strom

TurbineEbenso beeindruckend wie die Gasometer ist auch das kalorische Kraftwerk der voestalpine Stahl GmbH. Hier werden Kokerei-, Tiegel-, und Gichtgas, aber auch Erdgas zu Strom, Dampf und Fernwärme umgewandelt. Damit ist die ökonomische und ökologische Verwertung dieser Prozessgase sicher gestellt. Mit einer Jahresproduktion von rund 1.600 GWh Strom, ist es eines der größten Industriekraftwerke Österreichs und deckt rund 80 Prozent des Stromverbrauchs der Hütte Linz ab.

Das Kraftwerk in Linz besteht aus 6 Kraftwerksblöcken, die alle nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Ein riesiger Kessel wird zunächst mit den jeweils zur Verfügung stehenden Prozessgasen beheizt. Durch diesen Kessel laufen unzählige Wasserleitungen. Aufgrund der hohen Temperaturentwicklung erhitzt sich das Wasser und wird schließlich zu Dampf, der eine große Turbine antreibt. Diese wiederum treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Zusätzlich ist noch eine mit Erdgas betriebene Gasturbine im Einsatz.

Ist der Strom erst einmal erzeugt, muss er noch verteilt werden. Dies geschieht über 260 Schaltanlagen, 320 Transformatoren und ein Kabelnetz, das mehrere hundert Kilometer lang ist. Die größte Schaltanlage, die sich direkt neben dem Kraftwerk befindet, füllt ein Gebäude das 180 Meter lang und 20 Meter hoch ist. Zusätzlich zur Stromerzeugung kümmert sich das 220 Mann starke Team vom Kraftwerk und der Stromverteilung auch noch um die Bereitstellung von Kühlwasser und vollentsalztem Wasser (reines H2O) für die Dampferzeugung. Dazu werden jede Stunde rund 60.000 m3 Wasser aus der Donau gepumpt und am Werksgeländer verteilt.

Input – Output

Die voestalpine Stahl GmbH ist somit einerseits Erzeuger und andererseits Verbraucher von Energie und technischen Medien. Die Hütte ist jedoch nicht völlig autark, sondern ist an das öffentliche Netz angeschlossen, um Schwankungen ausgleichen zu können. Je nach Bedarf bezieht die voestalpine Stahl in etwa Erdgas oder Strom aus dem öffentlichen Netz. Wenn größere Stromverbraucher gerade einen Stillstand haben, kommt es aber auch vor, dass Strom aus dem Kraftwerk in das öffentlich Netz eingespeist wird. Die größten Stromverbraucher innerhalb der Hütte Linz sind die Antriebe der Produktionsmaschinen, allen voran die beiden Walzwerke sowie große Pumpen und Gebläse. Aber auch die großen Umweltschutzeinrichtungen wie die Entstaubungsanlagen benötigen viel Energie, um optimal zu funktionieren.

Kapazitätserweiterung

Durch das Investitionsprojekt Linz 2010 werden am Standort Linz die Produktionskapazitäten innerhalb der nächsten Jahre auf 6 Millionen Tonnen Stahl gesteigert. Gemeinsam mit den Kapazitäten steigen natürlich auch die benötigten Energie- und Medienmengen. Diese werden einerseits durch verstärkte Zukäufe und andererseits durch gesteigerte Eigenproduktion (wie z.B. bei Prozessgasen) abgedeckt. Um die anfallenden Medien auch sinnvoll verwerten zu können, wird das Energie- und Mediennetz in den nächsten Jahren weiter ausgebaut. Mit dieser sinnvollen Nutzung der "Nebenprodukte" des Prozesses garantiert die voestalpine Stahl GmbH auch eine gewisse Unabhängigkeit vom Energiemarkt.